GIS in Aktion: Anwendungen

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Diese Lektion gibt in Modul 1 einen ersten Überblick über die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von GIS.

Ob es sich um komplexe Aufgaben in Verwaltung oder Wirtschaft, um die Planung und das Management von Infrastrukturen, um Fragen des Umweltschutzes oder der MineSozialforschung handelt, oder schlicht um eine Webanwendung mit Raumbezug von der es mittlerweile unzählige gibt - die Bereiche, in denen geographische Information eine Rolle spielen, gehen längst über isolierte Spezialanwendungen hinaus. Die Integration des Raumbezugs in Methoden und Anwendungen unterschiedlichster Fachdomänen ist in den vergangenen Jahren enorm vorangeschritten. Bisweilen ist dabei vielen Beteiligten - Anwendern wie Nutzern - gar nicht bewusst, wie stark sie dabei auf dahinter liegende, generische Konzepte und Methoden aus der Geographie aufbauen.

Zur Relevanz von GIS im weitesten Sinne wurde der markante Satz "Alles was passiert, passiert irgendwo." formuliert und in folgendem, plakativen Video der UN GGIM aufgegriffen:


Bevor wir uns der begrifflichen Abgrenzung bzw. Erklärung geographischer Informationssysteme widmen, werden in dieser ersten Lektion des ersten UNIGIS professional Moduls einige beispielhafte Anwendungsschwerpunkte von GIS herausgegriffen.

Nach Absolvierung dieser Lektion ...

  • ...haben Sie eine bessere Vorstellung von den vielfältigen Anwendungsfeldern von GIS.
  • ...kennen Sie je Anwendungsfeld einige konkrete Praxisbeispiele.
  • ...können Sie in Übungs- und Aufgabenbeispielen erste "Gehversuche" wagen.zum Seitenanfang
   
 

Ressourcenmanagement

Die wirtschaftliche Nutzung natürlicher Ressourcen ist untrennbar mit unserem Alltagsleben verbunden, muss jedoch zur Vermeidung oder Minimierung negativer Effekte in bestmöglicher Form geschehen.

Abbildung 2Die schonende und nachhaltige Inanspruchnahme geogener (z.B. Bergbau, auch Wasserwirtschaft) und biogener (z.B. Agrar- und Forstwirtschaft, Fischerei) Rohstoffe kann nur unter umfassender Berücksichtigung zahlreicher anderer „räumlicher“ Rahmenbedingungen erfolgen, so dass GIS schon seit langem zu den unentbehrlichen Management - Instrumenten der ressourcen-orientierten Wirtschaft gehören.

BraunkohleabbauVor allem bei großen Tagebauen und vorrangig in der Forstwirtschaft sind GIS - Anwendungen besonders weit entwickelt. Dies gilt sowohl für den Bereich der Dokumentation (Karten- und Berichtswesen), wie auch für analytische und modellierend-optimierende Anwendungen.

Forstbetriebe sind in wachsender Zahl in der Lage, ihre Flächenbewirtschaftung mit Hilfe des GIS durchzuführen und so z. T. die Grundlagen zu schaffen um das Flächenmanagement zu verbessern. Die große Zahl von praxisorientierten Anwendern wird auch durch spezialisierte Publikationen und Konferenzen und ein differenziertes Anbietersegment illustriert. Betrachten wir ein Beispiel aus der Forstwirtschaft.

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GIS-Anforderungen der Forstwirtschaft:
Zentraler Datenbestand
Hohe Aktualität
Bodeninformation, Hangneigung
Modelle
Qualitativ hochwertige Kartenprodukte

 

 

Beispiel Forstwirtschaft

WaldEin Forstbetrieb arbeitet innerhalb seiner Wirtschaftsfläche mit exakt vermessenen Teilflächen, die als elementarer Bestandteil meist weitgehend homogenes Alter, definierte Baumartenzusammensetzung etc. aufweisen. Jeder dieser Bestände ist mit periodisch erhobenen Charakteristika zu Bestandeshöhe, Zuwachsleistung, Zustand, Dichte etc. gekennzeichnet.

WaldUm für jeden Standort die bestgeeignete Baumart festzustellen, werden Boden, Feuchte und Topographie (Neigung, Höhe, Exposition) als Eingangsdaten für Wuchsleistungsmodelle benötigt. Am anderen Ende des Nutzungszyklus werden aus Ernteaufwand, Bringungskosten und Holzmasse die zu einem gegebenen Marktpreis günstigsten Erntebestände identifiziert.

PinieSomit besteht das GIS eines Forstbetriebes aus einem laufend fortgeschriebenen, zentralen Datenbestand der Teilflächen, kollateralen Informationen zu Terrain, Böden etc. und funktionalen Komponenten mit Schwerpunkt auf spezialisierten Modellen und hochwertiger Kartographie.


Interaktive Onlinekarte der Waldbestände in Europa

Beispielhafte Fragestellungen, die mit Hilfe von GIS beantwortet werden können, sind:

  • Welche Flächen gehören der Nutzungsklasse A (z.B. Schutzwald) an?
  • Welche Flächen unterliegen der Nutzung A und weisen eine Hangneigung von weniger als 30° auf?
  • Wie groß ist die Bringungsdistanz zur nächsten Forststraße?
  • Wie gut ist insgesamt die Reviererschließung mit Forststraßen?
  • Wie ist die Erreichbarkeit der nutzbaren Bestände oder einer bestimmten Betriebsklasse?zum Seitenanfang
   
E-Mail

An dieser Stelle finden Sie in der Originallektion eine Aufgabe, in der mit Hilfe von GIS konkrete Fragestellungen aus einem forstwirtschaftlichen Projekt beantwortet werden sollen. Als Vorbereitung auf diese Aufgabe erfolgt eine Einarbeitung in die Software ArcGIS Desktop von ESRI. Unsere Studierenden bekommen dazu Zugriff auf einen entsprechenden Web-Kurs im ESRI-Training Portal.

Übrigens: Im Rahmen Ihres UNIGIS-Studiums können Sie sämtliche Web-Kurse auf diesem Portal kostenlos nutzen. zum Seitenanfang

   

 

 

 

 

 

 

Naturschutzinformationssysteme

Aufgabe des Naturschutzes ist der Schutz und die Erhaltung der biotischen und abiotischen Ressourcen unserer Umwelt, sowohl auf Ebene von Arten („Artenschutz“) als auch auf Ebene von Ökosystemen und funktionalen Beziehungen.
Geographische Informationssysteme nehmen dabei eine wichtige Rolle bei der Inventarisierung, d.h. der Erhebung und Darstellung des Ist-Zustandes, bei der Modellierung möglicher zukünftiger Entwicklungen und beim Monitoring über längere Zeit ein.
Beispielsweise sind für den wirksamen Schutz von Pflanzenarten fundierte Kenntnisse über Verbreitung, Häufigkeit, Populationsgrößen, Standortbindung, Vergesellschaftung und Biologie der einzelnen Arten notwendig. Aus diesen Parametern können, vor allem bei längerfristiger Beobachtung, Aussagen über die aktuelle Bestandessituation und -entwicklung, den Grad der Gefährdung sowie die Ursachen des Rückgangs und die Art der Bedrohung ermittelt werden. Ähnliches lässt sich konzeptionell natürlich auch auf den Schutz von Tierarten oder auf ganze Lebensräume und Ökosysteme übertragen.

Da räumliche Daten zum Naturschutz in vielen Anwendungsfällen des Alltags in Verwaltungen oder Planungsbüros zu berücksichtigen sind (denken Sie beispielsweise an Genehmigungsverfahen bei Infrastrukturprojekten), stellen immer mehr Behörden ihre diesbezüglichen Daten im Internet zur Verfügung. Dadurch entfällt im besten Fall das langwierige Suchen und unter Umständen kostenpflichtige Anfordern notwendiger Daten.

   
beispiel

In Österreich ist das Portal data.gv.at zentrale Anlaufstelle für offene, behördliche Daten. Besuchen Sie das Portal und suchen Sie nach Datensätzen, die mit dem Schlüsselwort "Naturschutz" versehen sind. Sie werden erstaunt sein welche Fülle an Daten die verschiedenen Behörden bereitstellen!
Gleiches gilt übrigens auch für die deutschen (govdata.de) und schweizer (opendata.swiss) Pendants, wobei das bundesweite Portal der Schweiz nicht so reichhaltig ist, wie manche kantonale Portale.

   

 

 

 

Behörden sind in der Regel die ersten Ansprechstellen für Daten im Zusammenhang mit Landschafts- bzw. Naturschutz. Allerdings beruhen diese Daten sehr häufig auf der Mitarbeit zahlreicher, meist ehrenamtlich tätiger Bürger.

In der folgenden Übung werden Sie mit offenen Behördendaten aus dem Bereich des Natur- bzw. Landschaftsschutzes arbeiten.

   
Übung

Übung Baumkatasterzum Seitenanfang

   

Antworten auf Fragen suchen

Welche aktuelle Verbreitung hat der Springfrosch in Bayern?

Von welchen klimaökologischen Parametern wird das Habitat der Zauneidechse in Ost-Österreich dominiert?

Ist das aktuelle Verbreitungsgebiet des kalifornischen Kondors ausreichend gesichert?

An welche Mindestarealgröße von Waldhabitatinseln ist das Vorkommen des Mittelspechts gebunden?

Lässt sich aus historischen Fundorten eine historische Verbreitungskarte einer bestimmten Art konstruieren?

Gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Vorkommen der Art x (Räuber) und der Art y (Beute)?

 

 

Geoökologie und Naturschutz

Der umfassende Bereich des Kennenlernens von Ökosystemen, von Lebensräumen als funktionale bzw. homogene Regionen ist Grundlage für die Unterschutzstellung auf Basis gesellschaftlicher Werte. Dabei werden in der Regel verschiedene Stufen hinsichtlich des Verarbeitungsniveaus der Daten unterschieden: Ausgehend von der Umweltbeobachtung und -analyse, d. h. der Erfassung, Kategorisierung, und Aggregation der Daten erfolgt meist eine Bewertung hinsichtlich bestimmter Nutzungsansprüche des Menschen.

Als 'selten', 'labil' oder 'kritisch - steuernd' eingestufte Gebiete sollen in der Folge nur kontrolliert genutzt oder auch aktiv in ihrer Funktion unterstützt werden. Dafür ist die Kenntnis einer besonders breiten Palette von Geodaten-Schichten bzw. 'Themen', also räumlichen Informationskategorien, notwendig, woraus sich hohe Anforderungen an eine flexible räumliche Datenbasis und auch ein funktional breitgestreutes Handwerkszeug für den Ökologen ergeben.

Daher ist die Verbreitung des GIS - Einsatzes in öffentlichen Behörden und privaten Anbietern für Dienstleistungen für ökologische Zwecke nicht weiter verwunderlich.

Artenspezifische Verbreitungsmodelle

Eine Anwendung von GIS im Natur- und Landschaftsschutz ist die Erstellung von artenspezifischen Verbreitungsmodellen. Da bei den wenigsten Arten eine flächendeckende Untersuchung möglich ist, gibt es bewährte Methoden regelhafter und/oder stichprobenartiger Punkt-, Raster- und Linienaufnahmen.

   
beispiel

Daten zur Verbreitung von Arten basieren oft auf der freiwilligen Arbeit von Bürgerinnen und Bürgern. Auf alpensalamander.eu lassen sich etwa gesichtete Salamander in eine kollektive Karte eintragen.

   

 

 

Allerdings gilt es zu beachten, dass Aussagen, die sich auf Stichproben stützen, immer auch mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit behaftet sind. Dabei ist allgemein zwischen systematischen und zufälligen Fehlerquellen zu unterscheiden.

Verbreitungskarte
Über das Internetportal CSCF können faunistische Verbreitungskarten für die Schweiz abgerufen werden.

Ausgehend von Stichproben helfen räumliche Informationssysteme die Verbreitung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu modellieren. Dabei werden viele Datenschichten berücksichtigt: Topographie (Hangneigung, klassifizierte Höhenstufen, Exposition), Geo- und Biosphärenmerkmale, Klima, Nutzungstypen und viele mehr. Mit diesen räumlichen Variablen können, mittels statistischer Methoden, typische Standortscharakteristika abgeleitet werden.
Hier kehrt sich dann die Arbeitsweise sozusagen um: indem die identifizierte Kombination räumlicher Variablen mit dem Vorkommen einer Art verbunden wird, können mit einem GIS Karten einer potentiellen Verbreitung erstellt werden - in meist höherer Qualität und Konsistenz und zu wesentlich geringeren Kosten als im Zuge einer Vollflächenkartierung.

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Umweltinformationssysteme

Umweltinformationssysteme können einerseits sektorale Fachanwendungen einzelner Verwaltungs- und Planungsbehörden sein, dann sind sie auch unter dem Punkt Regional- und Landesplanung zu betrachten. Sie sind jedoch nicht zwangsläufig an bestimmte Hoheitsgrenzen gebunden, auch grenzüberschreitende Lösungen sind realisiert.

Altlastenkataster
Der Altlastenkataster des österreichischen Umweltbundesamtes informiert nicht nur über die Standorte rezenter bzw. sanierter Altlasten, sondern verknüpft ausführliche Berichte mit jedem der Standorte.

Bei umfassenden Umweltinformationssystemen sind nicht nur "harte" Daten (Messwerte) erfasst, sondern auch Gutachten, rechtliche Festlegungen und Informationen über die Umweltinformation, wie z.B. Erhebungsdatum, BearbeiterIn, Messgenauigkeit usw. der gegenständlichen Daten. Man spricht bei derartiger Information über Information von Metainformation.
Umweltinformationssysteme sollen die jeweilige Umweltsituation und damit verbundene Umweltprobleme möglichst umfassend und aktuell abbilden. Sie unterstützen damit eine ökologisch orientierte Planung bzw. Raumordnung und tragen zur Transparenz von konkreten Eingriffen auf Basis der aktuellen Gesetzeslage bei.
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Katastrophenschutz und -management

Hier steht der Mensch im Mittelpunkt des Interesses: "Katastrophen" werden dabei als dauernde oder spontane negative Auswirkungen der technischen oder natürlichen Umwelt auf sein Wohlbefinden definiert.
Da bei Katastrophen räumliche Beziehungen wie Distanzen, Geschwindigkeiten, Nachbarschaften etc. meist eine besondere Rolle spielen, sind Geographische Informationssysteme ein unentbehrliches Instrument. Sie dienen dabei nicht nur zur Analyse und Vorhersage möglicher Katastrophen, sondern liefern im Katastrophenfall auch aktuelle Information um Hilfsmaßnahmen bestmöglich zu unterstützen.

LandslidesAuf Basis vergangener Ereignisse können mit GIS Regelhaftigkeiten abgeleitet werden, die für die Berechnung von Eintrittswahrscheinlichkeiten verwendet werden. Beispielsweise kann mithilfe probabilistischer Modelle aus den räumlichen Variablen Topographie, geologischer Untergrund, Hydrographie, Bodenaufbau und Bewuchs die Wahrscheinlichkeit von Murenabgängen bei Niederschlagsereignissen unterschiedlicher Intensität berechnet werden.

Hochwasserportal
Hochwasserportal des Bundes mit aktuellen Pegelständen und Hochwassermeldungen

Bei Eintritt von Katastrophenereignissen kommt dem zeitlichen Faktor bei der Informationsbereitstellung besondere Bedeutung zu. GIS mit entsprechender Anbindung an Webservices und Datenbanken bieten die Möglichkeit Sensordaten (z.B. von Pegelmessstellen) in Echtzeit in einer Karten darzustellen und so alle involvierten Akteure - von Bewohnern betroffener Gebiete bis zu Behörden, Einsatzkräften und Versicherungen - mit relevanter Information zu versorgen.

GI Systeme sind nicht nur wichtiger Bestandteil in der (kartenbasierten) Informationsbereitstellung, sondern werden im Katastrophenfall auch für die Koordination von Evakuierungs-, Rettungs- und Aufbaumaßnahmen eingesetzt. Die beiden zentralen Fragen "Was ist wo?" (z.B. Wie kommt man in Anbetracht der aktuellen Rahmenbedingungen wie Topographie und Infrastruktur am schnellsten zum Einsatzort) und "Wo ist was?" (z.B. Wo befinden sich aktuell die Einsatzkräfte) haben gerade im Katastrophenfall eine besondere Dringlichkeit. Durch die Kombination von digitalen Datenbeständen (z.B. Straßendaten) mit Echtzeitdaten aus diversen Messstellen (z.B. Verkehrszählung) und Fernerkundungsdaten (z.B. so genannte Post-Event Aufnahmen) können innerhalb kürzester Zeit mitunter überlebensnotwendige Informationen bereitgestellt werden. Damit wird die "mächtige" Rolle geographischer Informationssysteme deutlich: sie können Daten aufgrund ihres räumlichen Kontextes miteinander in Beziehung setzen und in intuitiver Form ausgeben. Basierend auf diesem Potential hat die UNO ein eigenes Programm namens UN-Spider ins Leben gerufen.zum Seitenanfang

   
beispiel

Beispiel Klimawandel & Gesundheit

Umweltveränderungen in Folge des Klimawandels wirken sich unter anderem auch auf die menschliche Gesundheit aus. Während sich die Bevölkerung in den wohlhabenderen Erdgegenden relativ problemlos auf geänderte Umwelteinflüsse und Gesundheitsrisiken einstellen kann, sind die Ärmsten diesen Änderungen meist sehr unmittelbar und schutzlos ausgeliefert.
MoskitoVektorübertragene Krankheiten (die häufigsten Vektoren, d.h. Überträger, sind Stechmücken, Zecken oder ähnliches) sind durch den spezifischen Lebensraum der Überträger, die vielfach entlang von Gewässern zu finden sind, eng mit Umweltveränderungen verbunden. Anhand von artspezifischen Verbreitungsmodellen (siehe oben) kann das Auftreten von bestimmten Krankheiten daher gut modelliert werden. Darüber hinaus bieten geographische Informationssysteme die Möglichkeit die Auswirkung auf betroffene Bevölkerungsgruppen zu modellieren bzw. zu analysieren. Dabei werden sowohl die direkten (Ansteckung) als auch die indirekten Folgen - beispielsweise Nahrungsmittelknappheit durch die Ansteckung von Nutztieren - berücksichtigt. Die Ergebnisse dieser Analysen helfen bei der Optimierung der Hilfeleistung und vor allem bei der Prävention.
Der von der EU finanzierte, interaktive Webdienst des Healthy Future Projekts demonstriert die Einsatzmöglichkeiten räumlicher Modellierung und Analyse:

healthyfuture
Im Healthy Future Atlas kann das Risiko und die Vulnerabilität der Bevölkerung im Zusammenhang mit vektorübertragenen Krankheiten erkundet werden.

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Regional- und Landesplanung

Gebietskörperschaften auf allen Ebenen (Gemeinden, Kreise/Bezirke, Bundesländer/Kantone) zählen, bedingt durch ihre hoheitlichen Aufgaben in der Administration und Planung, zu den prominentesten Gruppen unter den großen GIS-Betreibern bzw. Nutzern.

Ein wesentlicher Aufgabenbereich ist dabei die Raumplanung mit vielen unterschiedlichen sektoralen Planungsthemen. Geographische Informationssysteme helfen hier die verschiedensten Datenschichten zu verwalten, miteinander in Beziehung zu setzen und daraus relevante Planungsinformation abzuleiten.
Bei der Verwaltung von Staaten oder Ländern spricht man häufig auch von LIS (Land-Informationssystem); ein Akronym, das sich im behördlichen Schweizer Datenaustauschformat "INTERLIS" wiederfindet.

In den letzten Jahren rückt das Thema einer verbesserten Bürgerbeteiligung bei Planungsprozessen verstärkt in den Vordergrund. Web-basierte GIS-Lösungen, mit denen auf Basis einer gemeinsamen Kartengrundlage Planungsszenarien eingezeichnet und kommentiert werden können, etablieren sich hier als effektives Kommunikationswerkzeug zwischen allen Akteuren.zum Seitenanfang

   

Beispiel MORECO Siedlungsrechner

Eine wesentliche Aufgabe hoheitlicher Raumplanung ist die Bereitstellung von Flächen für unterschiedliche Nutzungen und die dafür geeignete, infrastrukturelle Anbindung. Wie rezente Debatten in den Medien demonstrieren, ist dies ein heikles Thema. Schlagwörter wie "Zersiedelung" sind ebenso häufig zu finden wie "Bodenspekulation" oder "Wohnungsnot". Um Behörden ein Werkzeug zur evidenzbasierten Entscheidungsfindung bei ihren Planungstätigkeiten zur Verfügung zu stellen, wurde der MORECO Siedlungsrechner entwickelt. Gleichzeitig dient diese Webanwendung auch zur Bürgerinformation, beispielsweise bei der Wahl des Wohnorts oder beim Kauf einer Immobilie.

MORECO
MORECO Siedlungsrechner: Ergebnis der Kalkulation des Mobilitätsaufwands eines Beispielstandorts.

Basierend auf einer Fülle von räumlichen Daten und diversen Statistiken berechnet der MORECO Siedlungsrechner den ungefähren Mobilitätsaufwand je Wohnstandort. Dabei wird auf typische GIS-Funktionalitäten zurückgegriffen: räumliche Abfrage, Verschneidung und Distanzmessung.

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Kommunale GIS

LandschaftsplanungGemeinden als Gebietskörperschaften der untersten Ebene stehen in direktem Kontakt mit Leben und Wirtschaft und sind die konkrete Standortumgebung für Wohnung, Betrieb und Lebensraum. Daraus ergibt sich eine Fülle von räumlichen, vorwiegend standortgebundenen Aufgaben, die auf Grund der immer höheren Nutzungsintensität und damit vermehrten Nutzungskonkurrenz des Raumes und der ständig steigenden Zahl administrativer Aufgaben ohne EDV-Unterstützung nicht mehr zu bewältigen ist.

WasserDie Vielzahl der raumgebundenen Sachverhalte und Aufgaben spricht dafür, einem GIS eine zentrale Rolle der kommunalen Informationsverarbeitung zukommen zu lassen. Zu den wichtigsten Themenbereichen zählen:

  • Evidenthaltung von Stadtgrundkarte, Kataster, Grundstücksverwaltung und Meldewesen.
  • Verwaltung von Sondereinrichtungen bzw. Objekten ('Baumkataster', 'Friedhofskataster', Grünflächenkataster'...).
  • Baubehördliche Maßnahmen ('Baurechtskataster', 'Bauleitplanung', 'Baulastenverzeichnis', 'Bebauungsplan').
  • Flächennutzungsplanung (Deutschland) bzw. Flächenwidmungsplanung (Österreich).
  • Dokumentation und Planung von Ver- und Entsorgungseinrichtungen ('Leitungskataster', 'Kanalkataster' ....).
  • Management von öffentlichen Dienstleistungen und Notfallsituationen (Schulbezirke, Feuerwehreinsatzleitplan, Katastrophenpläne ...).

Bürgerinformationsplan Salzburg Bürgerinformationsplan Salzburg

Da viele der beschriebenen Aufgaben über die räumliche Lage eng miteinander verflochten sind und eine oft hohe Transaktionsfrequenz aufweisen, sind der Entwurf und die Einrichtung kommunaler GIS besonders anspruchsvolle Tätigkeiten. Dazu gehören unter anderem eine

  • umfassende Erhebung von Aufgabenprofilen
  • Analyse behördlicher Arbeitsabläufe,
  • Identifikation des Datenbedarfes bzw. der Integrationsfähigkeit bestehender Daten,
  • Abstimmung mit Nachbargemeinden und übergeordneten Gebietskörperschaften,
  • Neuorganisation von Abläufen,
  • Gewährleistung von Aktualität und Integrität der gesamten Datenbasis.

Typische Probleme liegen dabei in der

  • Rundum - Abstimmung mit den zahlreichen sonstigen kommunalen IT - Anwendungen, und
  • der üblichen, strikten Trennung der Aufgabenbereiche verschiedener Behörden innerhalb einer Kommune, bzw. zwischen verschiedenen Abteilungen.

Derartige Probleme erschweren ein übergreifendes Informationssystem, vor allem hinsichtlich der Datenpflege, -nachführung und -verantwortlichkeit.

Immer mehr Kommunen verwenden GIS nicht mehr nur zur unidirektionalen Kommunikation, sondern als Plattform für Bürgerdialoge. Bekanntestes Beispiel ist der britische Dienst FixMyStreet, mit dem die entsprechenden Behörden über Probleme, Baumängel etc. informiert werden.

Ein ähnliches Beispiel findet sich auch in Frankfurt unter dem Motto Frankfurt Gestalten.

   
Übung

Übung: Kommunale GISzum Seitenanfang

   

 

 

Leitungs-, Transportnetzwerke

Betreiber von Ver- und Entsorgungsnetzen wie Strom, Wasser, Gas, Kanal, Telefon etc. haben mit der Transportwirtschaft (vorrangig im Straßenverkehr) eines gemeinsam: sie benützen Transportwege in der Form von Netzwerken.

NetzwerkeDies führt bei Datenbasis wie analytischem Instrumentarium zu einigen Gemeinsamkeiten, wenn auch eine hydraulische oder elektrische Netzlastberechnung mit einem dynamischen Verkehrsauslastungsmodell auf den ersten Blick wenig zu tun hat.

Im Gegensatz zu Kommunen haben Netzbetreiber eher enge sektorale Anforderungen an GIS. Diese sind mit

  • hervorragender Datenbank-Anbindung (Abnehmer, Anlagen, Netzbetriebsdaten),
  • guter Netz-Topologie und exakt geometrischer Anlagenabbildung sowie
  • Integrationsmöglichkeit für Netzberechnungen nahezu schon vollständig beschrieben

und stellen damit ein charakteristisches Feld für spezialisierte GIS - Anwendungen dar.

Gasnetzkarte Gasnetzkarte Österreichs. Details dazu finden sich auf der Webseite der e-control.

Optimierung von Gütertransporten

Zahlreiche Transportinformations- und -optimierungssysteme sind heute auf der Basis digitaler Straßennetze im Einsatz.

Diese dienen der Tourenplanung, Lagerstandort- und Verteilungsnetzplanung, aber auch der kurzfristigen, bedarfsorientierten Optimierung und Reaktion auf modifizierte Transportanforderungen. Die Berücksichtigung von

  • mittlerer Fahrgeschwindigkeit
  • Straßenzustand und -auslastung
  • Grenzübertritten
  • kurzfristigen Hindernissen

trägt zur Effizienzsteigerung und damit Kostensenkung von Transportunternehmen bei.

Tourenplanung Anwendungsbeispiele der eRouteLogistics Softwarezum Seitenanfang

   
 

Business Geographics

Die Bezeichnung Business Geographics fällt im Zusammenhang von GIS-Anwendungen mit Begriffen wie z.B.:

  • Marketing und Marktforschung (Geo-Marketing)
  • Standortsuche und -analyse
  • Einzugs-/ Verkaufsgebietsanalyse
  • Direkt Marketing
  • Vertriebsbewertung
  • Gebietsplanung und -analyse
  • Marktstrukturanalyse
  • Potenzialanalyse

Im Mittelpunkt stehen Überlegungen bzgl. der „richtigen“ Kombination von Dienstleistungsangebots- und Konkurrenzstandorten und Kunden(wohn)orten oder eben die Information „wo sind die für mein Angebot wahrscheinlichsten Kunden?“.

Daneben erwartet man aus der Kombination von geocodierten Kundenadressen, Absatzgebieten, demographischen Strukturdaten, Umsatz und Wettbewerbsstandorten Antworten auf Fragen wie:

  • Sind die Verkaufsgebiete optimal, wieviel Umsatz machen Außendienstmitarbeiter?
  • Wo soll Plakatwerbung platziert werden, wo die nächste Postwurf-Kampagne stattfinden, wie ist das Verbreitungsgebiet von Rundfunk, Fernsehen, Zeitungen etc.?
  • Wie könnte sich ein Markt entwickeln? Wo befinden sich die umsatzstärksten bzw. -schwächsten Gebiete?
  • Ist eine Neustrukturierung der Außendienstgebiete erforderlich?
  • Wie sind die Kunden/Zielgruppen räumlich verteilt?
  • Wie lässt sich das aktuelle Filialnetz optimieren?
  • Wo sind Regionen mit hohem Potential und geringen Marktanteilen?
  • Wie wirkt sich der Einsatz von Werbemitteln regional auf den Umsatz aus?

 

   

Beispiel Geomarketing

Ein Anbieter gehobener Freizeitangebote möchte den Markt der Stadt Wien für Timesharing - Urlaubswohnungen intensiv bearbeiten. Ein Werbebudget steht zur Verfügung, es könnte für einen flächendeckenden Postwurf eingesetzt werden. Allerdings hat die Überlegung viel für sich, dass in 'Unterschicht' - Wohngebieten nur ein sehr geringes Käuferpotential vorhanden ist, in denen der 'Oberschicht' jedoch ein umso höheres.

Daher wird aus sozialstatistischen Daten der Volkszählung ein Satz von Indikatoren gewonnen, die die Wohngebiete mit den wahrscheinlichsten Kundenkreisen abgrenzen. Diese Abgrenzung wird noch mit Kundendateien hochpreisiger Produkte (aus Adressverlagen) verfeinert und letztlich auf postalische Zustellgebiete abgestimmt. Das auf Grund der GIS - Kundenanalyse etwas reduzierte Budget für die folgende Werbeaussendung wird letztlich durch dessen gezielteren Einsatz effizienter als mit dem „Gießkannenprinzip“ genutzt!

   
   

Einen weiterführenden, sehr umfangreichen Überblick über verschiedene Anwendungsdomänen der Geoinformatik finden Sie in Bill (2016).

   
E-Mail

Aufgabe: Regionalstatistik

   
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